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Vom Polizeigriff zum Übergriff

www.polizeigriff.org


Broschüre - Die polizeiliche Ausbildung

Setzt mensch sich mit den Ursachen von Polizeiübergriffen auseinander, ist auch eine kritische Auseinandersetzung mit der polizeilichen Ausbildung notwendig. Wie ist sie organisiert? Unter welchen Bedingungen findet sie statt? Wo treten Mängel auf, die Übergriffe ermöglichen oder gar fördern?

Die Grundvoraussetzungen für die polizeiliche Ausbildung sind unter anderem ein Mindestalter von 16 Jahren, ein erweiterter Hauptschulabschluss und die Gewähr jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten. Um in das Ausbildungsverhältnis der Polizei aufgenommen zu werden, müssen alle Bewerber_innen schriftliche, sportliche und mündliche Eignungsprüfungen bestehen. Die reguläre Ausbildungsdauer bei der Schutzpolizei- (mittlerer Dienst) beträgt 2 ½ Jahre. Das erste Ausbildungsjahr umfasst die Grundausbildung mit fach-theoretischem Unterricht (Rechtskunde), allgemein bildendem Unterricht (Deutsch, Englisch) und psychologischem Seminar. Neben der theoretischen Ausbildung, die durch das Lernen von Definition und Tatbestandsmerkmalen geprägt ist, hat die Schießausbildung, Polizeiverwendung und insbesondere Sport einen hohen Stellenwert. Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr sind Sport sowie psychologische Seminare fester Bestandteil des Programms, sie enden beide mit einer Laufbahnprüfung (1. und 2. Fachprüfung).
Die Auszubildenden werden größtenteils von Polizeibeamten des mittleren oder gehobenen Dienstes unterrichtet. Nur in Fächern wie zum Beispiel Englisch sind Lehrer_innen aus „normalen“ Schulen, die nicht dem Polizeidienst zuzuordnen sind, in die Ausbildung von Polizeianwärtern involviert. Bis Ende 70er und Beginn der der 80er Jahre fand die polizeiliche Ausbildung vollständig kaserniert in der Bereitschaftspolizei statt. Heutzutage tragen meist Polizeischulen, bzw. beim gehobenen Dienst Fachhochschulen die Verantwortung für die Ausbildung. Trotz der Aufhebung einer durchgehenden Kasernierung mit teilweise militärischen Ausbildungsformen, wird die Ausbildung zum Polizeibeamten immer noch weitgehend polizeiintern, dass heißt abgeschottet von anderen Sozialstrukturen, durchgeführt.

Problematik der Ausbildung

Zwar hat sich Ausbildung in den letzten 20 Jahren gewandelt – insbesondere in den Punkten des militärisches Charakter der Ausbildung und der vollständigen Kasernierung – doch ergeben sich auch aus der heutigen Polizeiausbildung immer noch wesentliche Probleme. So verläuft die Ausbildung immer noch weitgehend polizeiintern. Diese soziale Abschottung macht es schwer neue Erkenntnisse in die Polizei hinein zutragen und ist somit hinderlich für eine Reformierung. Gleichzeitig fördert diese Abschottung nicht gerade kritik- und kommunikationsfähige bzw. -bereite Polizeibeamte, sondern führt eher zu Konformismus.
Einerseits die polizeiinterne Ausbildung und damit die Abschottung der Polizisten vom Rest der Gesellschaft und anderseits die Vernachlässigung von sozialwissenschaftlichen, politologischen und psychologischen Ausbildungsinhalten (bedingt durch die Konzentration auf die Rechtsfächer) führen zu Defizite im späteren Polizeialltag. Dies wird durch den geringen Anteil von Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten verstärkt. (weiteres hierzu im Artikel: Ein Versuch der Erklärung).

Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt ... ... Anti-Diskriminierungsbüro (ADB) Berlin

© Anti-Diskriminierungsbüro (ADB) Berlin e.V.
Ausstellung: „Vom Polizeigriff zum Übergriff”
www.polizeigriff.de